Das Parkinsonsche Gesetz - aktueller denn je

25.06.2014 09:14

Das „Parkinsonsche Gesetz“ hat nichts von seiner Aktualität verloren – im Gegenteil. Wer z.B. die Aktionen der EU-Administration und seiner Figuren nach der sogenannten EU-Parlamentswahl unter die Lupe nimmt, wird rasch fündig.  

Cyril Northcote Parkinson (der übrigens auch einmal an der Universität St. Gallen doziert hatte!) hat vor gut 50 Jahren in seinem "Parkinsonschen Gesetz" die bürokratische Ineffizienz beschrieben. Viele seiner brillant formulierten Beobachtungen haben noch heute Gültigkeit. Hier die bekanntesten seiner Thesen:  

Arbeit lässt sich wie Gummi dehnen, um die Zeit auszufüllen, die für sie zur Verfügung steht. Eine Rentnerin beispielsweise kann einen ganzen Vormittag damit zubringen, eine Geburtstagskarte für ihre Nichte zu kaufen, zu beschreiben und abzusenden; ein vielbeschäftigter Manager erledigt das in fünf Minuten.  

Die Zahl der Angestellten steht in keinem irgendwie geartetem Verhältnis zur Menge der Arbeit, die zu erledigen ist. Denn einem Naturgesetz gleich wächst die Zahl der Beamten immer weiter - selbst wenn immer weniger zu tun ist. Dafür sind zwei Gesetzmäßigkeiten verantwortlich und das funktioniert so:  

Jeder Mitarbeiter will Untergebene haben, aber keine Konkurrenten. Hat Kollege A den Eindruck, seine Arbeit nicht schaffen zu können, wird er gewiss nicht seine Aufgaben mit einem weiteren Kollegen teilen, denn dieser könnte sich als Rivale entpuppen. Vielmehr wird er versuchen, zwei Untergebene zu bekommen. Die befinden sich nun in ihrer eigenen Konkurrenzsituation und werden für Kollegen A nicht gefährlich. Um ebenfalls wichtig zu wirken werden die neuen Kollegen nun ihrerseits über zuviel Arbeit klagen und jeder wiederum zwei Untergebene bekommen. An dieser Stelle sind schon sieben Kollegen mit der ursprünglichen Arbeit von Kollegen A beschäftigt. Und eine weiterere unausweichliche Gesetzmäßigkeit tritt in Kraft.  

Ferner machen sich Beamte gegenseitig Arbeit. Jedes Schriftstück wird nun über die verschiedenen Hierarchie-Ebenen gereicht, verändert, abgestimmt, unterzeichnet und wen wundert's, dass die sieben Kollegen für das Schriftstück viel länger brauchen als die Rentnerin für ihren Geburtstagsgruß. Das Genaugleiche gilt für die ineffizienten Mühlen der Politik und der Administrationen von Staatswesen, denn die Steuergelder fliessen ja regelmässig und nach Belieben.  

Zu den weiteren Beobachtungen Parkinsons zählen:  

In Sitzungen werden nicht die wichtigsten Themen am ausführlichsten diskutiert, sondern die, von denen die meisten Teilnehmer eine Ahnung haben. Da es eher triviale Themen und Randaspekte sind, von denen am meisten verstanden wird, nehmen sie den breitesten Raum ein.  

(Mit einem Augenzwinkern) Vorgesetzte symbolisieren ihre Wichtigkeit nach einer weltweit gleichen Formel: Man nehme die Zahl der Vorzimmerdamen, die Zahl der Türen vor dem Chefbüro sowie die Zahl der Telefone in seinem Zimmer und multipliziere sie mit der Tiefe seines Teppichs. Je höher das Ergebnis, umso wichtiger der Vorgesetzte.  

Oder: Ein imposantes Firmengebäude ist ein Hinweis darauf, dass die Firma ihre besten Tage bereits hinter sich hat. Denn in Zeiten großer Produktivität hat niemand Zeit, ein vollkommenes Firmengebäude zu errichten, dieser Zeitpunkt kommt erst, wenn alle bedeutende Arbeit bereits getan ist.

Eine der größten Gefahren für eine Institution oder Firma ist übrigens die "Injelititis" (zusammengesetzt aus incompetence - Unfähigkeit und jealousy - Neid). Je höher jemand mit dieser Eigenschaft die Karriereleiter hinaufsteigt, umso stärker geht es mit dem Betrieb bergab. Denn der inkompetente Mitarbeiter wird sich nur mit noch inkompetenteren Untergebenen umgeben (gilt vor allem auch in der Bundes-Exekutive - Sie wissen schon welches Departement die grösse Beamten-Fluktuation aufweist!?).